Limas Gegensätze

Überraschenderweise haben wir die Busfahrt, ganz den Klischees Perus entsprechend, nach Lima überstanden. Es ist laut, belebt und hektisch. Taxifahrten, das Mittel unserer Fortbewegung, wenn wir nicht zu Fuß gehen, dauern ewig, der Verkehr ist enorm und begleitet von einem ständigen Hupkonzert. 

Wir wohnen, wie die meisten Touristen, in Miraflores – teilweise laut und reizüberflutet, mit uncharmanten Einkaufs- und Fresstempeln, mit sich übertönender Musik, dazwischen ruhige Wohnviertel und begrünte „Küstenparks“.

Im Centro Historico kann man bei viel Polizeipräsenz die kolonialen Bauten der spanischen Herrschaft betrachten, alles wirkt gepflegt und sauber – ein paar Fußmeter entfernt der zentrale Markt und Chinatown, das komplette Gegenteil: laut, überfüllt und dreckig, man wird im regen Treiben durchgeschoben, dazwischen fast „britisches Anstellen“ für ein kühl wirkendes China-Restaurant. Wir kennen uns nicht aus, sind sprachlos, fasziniert  und Tini auch ein wenig gestresst. 

Wir möchten ein Taxi zum berühmten „Circuito Magico del Agua“, einem beleuchteten Springbrunnen, aufhalten, niemand will uns führen. Zu Fuß dort angekommen haben wir eine Vorstellung warum, eine Ruheoase, für die man Eintritt zahlt, ein ruhiger Park mit eben einem Springbrunnen-Spiel, mitten in Lima, arme Leute ausgeschlossen. Dort möchte vielleicht wegen der Polizeipräsenz kein inoffizielles Taxi hinfahren, aber eine Erklärung finden wir nicht. 

Wir fahren in den Stadtteil Barranco, das aufstrebende Künstlerviertel, schick und hip. Durch Zufall finden wir die „La Feria Barranco“, ein kleiner Alternativmarkt, sehr atmosphärisch und liebevoll gestaltet, wo es plötzlich auch mehrfach veganes Essen gibt… ein eigenartiger Zustand, wenn man weiß, wie schwierig es ist in Peru fleischlos zu essen, und die einzige Alternative Eier sind… Gemütlichkeit und ausgewähltes Essen sind Luxusgüter, das ist uns hier innerhalb kürzester Zeit wieder klar geworden. Wir genießen das Essen und die Gemütlichkeit sehr, keine Frage, und uns ist sehr bewusst, dass das alles keine Selbstverständlichkeit ist… und wir ganz klar zum wohlhabenden Teil dieser Welt gehören.