Zuerst stand Trekking in der Everestregion gar nicht auf unserem Plan, dann war da aber doch diese magische Anziehung der „Sagarmatha“ („Mutter aller Ozeane“, nepalesische Bezeichnung für Mount Everest), wenige TouristInnen und die Einsicht, dass wir nicht in die Berge kommen ohne einige Tage Wanderung auf uns nehmen zu müssen. Es folgten ein Hin und Her, Überlegungen, und dann schlussendlich die Verschiebung unseres Rückflugs nach Wien.
Auch Norbert hat sich damit abgefunden ein paar Tage wandernd unterwegs zu sein, Tini damit, dass es einige Tage keine Dusche geben wird… 😎👍
Wir beschließen ohne Porter und Guide zu gehen, der Chef unseres Hotels gibt uns sehr brauchbare Tipps, auch Reservierungen in den Lodges seien nicht notwendig, weil touristische Leere herrsche. Also brechen wir mit unseren kleinen Rucksäcken (es gab nicht nur einmal die Frage: „Where are your bags?“) auf. „Wenn es keine Dusche gibt, dann brauchen wir auch keine Wechselkleidung…. „ Norberts Worte. Einige warme Sachen, „Schichtbetrieb“ am Körper, die wichtigsten Dinge in die Taschen und los geht‘s…
Das Leben im Khumbutal ist anders, hier gibt es keine motorisierten Gefährte, es wird ALLES getragen und zu Fuß transportiert, manchmal helfen Esel und Yaks aus. Die Kinder gehen zu Fuß zur Schule, egal wo die Schule liegt.
Regionalität ist hier selbstverständlich. Namche Bazar, die „Hauptstadt“ des Khumbutals, stellt hier eine Ausnahme dar, die Helis fliegen hier teilweise im Minutentakt…
Die Porter tragen angeblich bis zu 120kg (!) auf ihrem Rücken, und das über Stunden – und ganz egal wieviel Gewicht sie trugen, kein einziger war langsamer unterwegs als wir 😳.

Das Wetter in den ersten Tagen war eher bescheiden, vormittags sonnig, dann wolkig und neblig, teilweise wenig Sicht, eine trockene Kälte, doch bald, zum richtigen Zeitpunkt, traumhaft.
Wir kämpften teilweise mit der Höhe. Kopfweh, Schwäche und Übelkeit zeigten, dass wir manchmal ein bisschen zu viel und zu schnell aufgestiegen waren, wir lernten, versuchten uns zu akklimatisieren. Beruhigend, dass es anderen auch so ging.
Gefrorene Wasserflaschen und „Klospülungs-Kübel“ sowie eine Eisschicht auf den Fensterscheiben sind normal, wir packten mittlerweile Kamera-Akkus, Handys und Wasserflaschen unter unsere dicken Decken über Nacht, das funktionierte gut.
Die Abende waren schön gesellig (gezwungenermaßen, weil niemand im kalten Zimmer sitzen wollte 😉) , alle versammelten sich vor dem heißen Ofen, der mit getrocknetem Yak-Kot gefüttert wurde.
Wir trafen unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Beweggründen, unterschiedlichem Verhalten und unterschiedlichem Zugang zum Reisen.
Angefangen beim australisch-russichen Eugene, der auf die Ama Dablam hinauf wollte bis zur indischen Youtuberin, die ins „EBC“ (ja, so bezeichnet man hier das Everest Base Camp 😄) trekkte, und dazwischen eine Spanne von all den interessanten Leuten, die man immer wieder gerne traf und manchmal auch froh darüber war, dass es bei einem intensiven Abend geblieben ist…
Immer wieder faszinierte uns die Offenherzigkeit der Nepalesen, egal ob in Jomsom, Gokyo oder Kathmandu – ein Land mit so geselligen, freundlichen, bemühten und interessierten Menschen.
Gokyo Ri (5357m) war unser großes Highlight, ein Gipfel am Gokyo-See, den wir bei Nebel bestiegen und auf dem Weg die Nebelschicht durchbrachen, einer der schönsten Orte, mit der schönsten Stimmung, die wir je gesehen haben. Die Wolken auf ca. 5000m Höhe, nur die richtig hohen Gipfel blickten raus, der Sonnenuntergang, die wunderbar bestrahlten Gipfel, die Farben, die sich auftaten und veränderten, kitschig unecht wirkten. Auch der Abstieg bei ca. -20 Grad mit Taschenlampe war nicht ganz gemütlich, aber das war es wert.

Unser zweites großes Highlight war der Renjo La (Pass, 5360m), über den wir uns plagten. Die Höhe setzte uns zu, der Schnee oben machte es uns nicht so leicht den Weg zu finden, es war steil, unsere Nerven lagen abwechselnd blank, manchmal auch gleichzeitig, es dauerte ewig bis wir oben ankamen…. aber dann… es eröffnete sich ein 360°-Blick, in alle Richtungen unfassbare Ausblicke, die Himalaya-Range vor uns, keine einzige Wolke am Himmel, die Seen, Gletscher und Gipfel… einfach nur schön.

Die 3 langen Abstiegstage fühlen sich tatsächlich lang an, aber irgendwie nutzen wir die Zeit um all das Gesehene auf uns wirken zu lassen, immer wieder sprachen wir über das, was wir hier erlebten – es ist doch alles ganz anders als sonst, so intensiv.
Nach 2 Tagen erreichten wir wieder die „Zivilisation“, wir hatten Empfang und Internet, buchten unseren Rückflug nach Kathmandu und genossen im sehr touristischen und teuren „Sherpa Barrista“-Café (der Name sagt alles ☺️) Kaffee und Kuchen.
Nach 10 Tagen zurück in Lukla erwartete uns als Überraschung eine heiße Dusche, die Freude darüber war riesig ☺️.
Am darauffolgenden Tag war das Wetter gut für den Rückflug, das Flugzeug konnte starten, wie üblich mit ein paar Stunden Verspätung, aber kleinlich darf man hier nicht sein. Wir waren froh, dass wir von hier überhaupt zurückfliegen konnten. Manchmal ist hier ein wetterbedingtes, tagelanges Warten normal.

130 km zu Fuß und in etwa 7000 Höhenmeter liegen hinter uns, ein großartiges Erlebnis. Für uns beide eine der intensivsten Erfahrungen.
































