Karamoja im Nordosten Ugandas

Weiter entfernt, im Nordosten Ugandas, soll der, laut unserem Guidebook, beste Nationalpark liegen, Kidepo. Schon etwas müde von der vielen Autofahrerei entscheiden wir uns doch dafür und nehmen die ewige Dirtroad-Fahrt in Kauf. Wir merken nach einer Schrecksekunde in einer Kurve, in der wir Bodenkontakt verlieren, relativ rasch, dass es einfach nicht schneller geht… Das Panorama verändert sich, die Gegend wird hübsch, hügeliger und ruraler. Tankstellen werden rar.

Benzin muss mit der Kurbel gepumpt werden. Strom gibt’s nicht.

Das Zelt unserer Lodge liegt fantastisch, die Steppe des Nationalparks überblickend. Leider scheint der Nationalpark leer zu sein, keine Tiere, ein paar Buffalos hier und da, einige Elefanten, ein einzelnes Zebra. Vielleicht sind wir schon unbescheiden geworden, aber das ist ein wenig enttäuschend. Wir genießen das schöne Abendlicht, probieren es nochmals, aber müssen dann einfach akzeptieren, wie einige andere auch: „It’s nature, you can‘t force it“.

Wir starten das Jahr 2022 mit einer Autofahrt nach Moroto, fahren an einigen Dörfern der Karamojong, einem halbnomadischen Hirtenvolk, vorbei. Viele Menschen begrüßen und lächeln uns freundlich zu, alles wirkt ein bisschen entspannter.

Wir besuchen noch am gleichen Tag ein Dorf der Karamojong nahe Moroto. Michael, selbst ein Karamojong, allerdings nicht mehr im Dorf lebend, begleitet und erklärt uns vieles. Er ist als Kind davon gelaufen, um die Schule zu besuchen, hat seine Kindheit auf der Straße verbracht und versucht Geld zu verdienen. Heute arbeitet er als Guide, ist nach wie vor sehr stolz auf seine Herkunft und möchte, wenn er genug Geld gespart hat, um Kühe zu besitzen, zurück ins Dorf, viele Frauen heiraten. 

Der Besitz möglichst vieler Kühe bedeutet Reichtum, hier werden Frauen noch mit Tieren gekauft. Das Leben ist sehr einfach, die Hütten klein, einmal pro Tag gibt es was zu essen, die Aufgaben zwischen Männern und Frauen sind streng getrennt. Bewaffneter Rinderdiebstahl ist ein massives Problem, auch grenzübergreifend mit Kenia, die Regierung hat schon eingegriffen um zu entwaffnen, das Problem scheint aber nach wie vor nicht gelöst. 

Wir dürfen fotografieren, Kinder sind neugierig, sie erfreuen sich daran sich selbst auf unseren Kameras betrachten zu dürfen, sie kennen ihre Gesichter nicht. Es ist schön, diese Begeisterung zu sehen, Michael meint, die Kinder könnten stundenlang damit verbringen, er weiß wovon er spricht… ☺️.

Es ist eine Reise in die Vergangenheit. Und es ist für uns schwierig zu verstehen, dass jemand wie Michael, der selbst davon gelaufen ist, wieder zurück in dieses System will. Wir empfinden vieles davon als nicht richtig, versuchen aber Verständnis zu entwickeln. Wirklich schwierig. Hoch interessant.