Die Alpen im Sommer

Der Juli in den Bergen der Schweiz und Italien lieferte viele Highlights. Paradis de Can war ein Nervenhighlight – die Absicherung trieb uns den Angstschweiß auf die Stirn. Die Kletterroute Alpendurst auf das Jegihorn bot unvergleichliches Panorama und unglaubliche Homogenität in der Wand und die Wingsession am Silvaplanasee super entspanntes Foilen.

Aber der Reihe nach: immer das Wetter am Radar starteten wir gegen den Uhrzeigersinn in der Zentralschweiz. Nach Routen am Brüggler und unter dem Gotthardpass in Göschenen wandern wir für 2 Nächte auf die Bergseehütte. Es  werden Routen in Nebelschwaden, oft bei sportlicher Absicherung, aber in super Fels. Der Bergsee neben der Hütte ist warm und wir gehen sogar gerne schwimmen.

Rund um Brig, Visp und Sion vergnügen wir uns im Bikepark in Bellwald, in tollen Klettergärten und besonders Norbert auch im Wavegarden Alaia in Sion. Das Surfen in der künstlichen Welle macht Lust auf mehr und ist sehr, sehr anstrengend. Wir genießen das alles.

Der nächste Stützpunkt in Saas Grund beschert uns ein Panorama auf achtzehn 4000er und perfektes Wetter. Die Kombination aus einem „Trail-Zustieg“ mit dem Mountainbike, einer traumhaften Kletterroute auf das Jegihorn und der abschließenden Abfahrt auf einem Flowtrail ins Tal ist nicht oft zu finden – traumhaft.

Über den Simplonpass geht es nach Croveo ins Ossolatal. Hier gönnen wir uns Urlaub von unserer fahrenden Unterkunft und steigen in einem Bed & Breakfast ab. Die Mehrseillängen, das Sportklettern, die engen Zufahrtsstraßen, das kleine gepflegte Dorf in dieser wunderschönen Landschaft werden zu einem Ort, an den wir gerne wiederkommen wollen.

Beim Nufenenpass wollen wir ein Schönwetterfenster nützen und eine Route – Favorit ist der Grüne Nils – klettern. Der lange Zustieg und die doch schneller als erwartet nahende Schlechtwetterfront lassen uns dieses Vorhaben streichen. Trotzdem wird es ein Sportklettertag an traumhaftem Fels.

Über den Splügenpass muss man auch einmal gefahren sein. Auf der Südseite führen 52 beeindruckende Spitzkehren hinunter nach Chiavenna. Hier bleiben wir 2 Nächte und strapazieren in einer Route am Paradis de Can unsere Nerven. Wir erwarteten nicht, dass nur ca. alle 10 Meter ein Bolt gesetzt ist und man dabei auch noch bis zu 3 Meter aus der direkten Linie auf einer fast griff- und trittlosen Platte klettern muss. Aber auch das haben wir überstanden und konnten anschließend die übliche Pizza genießen.

Bei der vorletzten Station, der Albigna, hatten wir noch eine Route auf die Fiamma, eine markante Felsnadel, offen. Motiviert brechen wir zur Linie Via Felici auf, die total überlaufen ist. Wir beschließen eine andere Route (Via Leni), die leider nicht bis oben führt, zu klettern. Sie ist zwar wunderschön, trotzdem hadern wir ein bisschen mit der Entscheidung, da an diesem Tag die Fiamma bis zum Sonnenuntergang nebelfrei war.

Abschließend freuen wir uns auf den Silvaplanasee. Wir ergattern auf dem Campingplatz einen Stellplatz in der ersten Reihe mit Blick auf den See. Da das Wetter nicht strahlend ist, sind wir unsicher, ob Thermik aufkommen wird. Wir sind Glückskinder und die Nachmittagssession im türkisen Wasser vor dem Bergpanorama des Corvatsch und der Diavolezza ist grandios.

Italien und insbesondere die Schweiz haben uns nicht enttäuscht. Das Preisniveau Österreichs hat sich dem der Schweiz angepasst, die Campingplätze in der Schweiz sind teilweise sogar günstiger. Die wunderschöne Landschaft, die Felsqualität der Kletterrouten und das alpine Ambiente lassen uns immer wieder hierhin zurückkehren 😁.