Die flächenmäßig viertgrößte Insel der Welt hat uns schon vor 2 Jahren gelockt, aus der rudimentären Planung wurde damals nichts. Jetzt beschränkten wir uns hauptsächlich auf das Kiten im Norden.
Wie geplant wurden wir nach dem Flug über Dubai, die Seychellen und einer Übernachtung in Antananarivo vom Flughafen in Diego Suarez abgeholt und in die Sakalava Bay gebracht. Die letzten Meter dorthin gleichen einer in den Sand gebaggerten Halfpipe und verdienen das Adjektiv abenteuerlich. Die Hütten der Unterkunft sind schön gelegen und praktisch neu, nur leider dem Starkwind, der täglich 24 Stunden ausnahmslos ballert, schutzlos ausgeliefert.
Die Aufmerksamkeit der Menschen, die sich unter anderem um unser Kiten kümmerten, war, ganz „afrikalike“, beängstigend zuvorkommend, fast unterwürfig – selten ein gutes Gefühl. Der Kite wurde aufgepumpt, gestartet, gelandet, ausgelassen, auf die Wiese getragen, gereinigt/getrocknet, zusammengelegt und verstaut – oft mehrmals am Tag. Auch das Setup, welcher Kite von wem mit welcher Bar und welchem Board geflogen wird, wussten die 2 Helfer sofort.
Das Kiten war, abhängig vom Wasserstand und den Windbedingungen, vielfältig, jedoch immer bei viiieeel Wind. Unglaubliches Kabbelwasser (bei Flut), wechselte mit spiegelglattem Wasser hinter der Sandbank (bei Ebbe). Die Welle lief am besten bei auflaufendem Wasser vor dem Höchststand, sobald das Riff nicht mehr zu knapp unter der Wasseroberfläche war. Bald hatten wir uns auch an die 5 m2 Schirme, die wir fast ausschließlich flogen, gewöhnt.
DER gemütliche Platz in der Bucht war „Kiteparadise“. Dort ist es windgeschützt, das Essen sehr gut, das Personal außerordentlich nett und immer zu Späßen aufgelegt, von Unterwürfigkeit war hier nichts zu bemerken. Die kitende Community, viele Italiener*innen, war gesprächig und einladend.
Das 3 tägiges Festival Festikite mit Big Airbewerb im Kiten, Wingfoil-, Kite- und Windsurfrace, MMA-Kämpfen, einer Dinghi – Regatta und einigen Nebenveranstaltungen zeigte uns sehr erfrischend, mit welchem Ehrgeiz und welcher Begeisterung teilgenommen wurde.
Der zweite Kitespot, im Mer d’Emeraud, gefiel noch besser. Unsere Hütte lag im „Dschungel“, die Dusche im Freien, aber geschützt. Im „Restaurant“ am Hügel traf man sich zum Essen und Plaudern bei traumhaftem Ausblick auf das türkise, windgepeitschte Meer. Die Kitespots „La Piscine“ (feinstes, glasklares Flachwasser) und die Wellen bei der Ilot Suarez übertrafen unsere Erwartungen. Nur die ca. 1,5 m lange Boa, die auf einem Holzdrum des Kitestorages tagsüber schlief, ließ uns ein bisschen nervös sein und alle Taschen vor ihrem Gebrauch vorsichtig aber gründlich durchsuchen 😉.
Für die Kultur haben wir auch ein bisschen gemacht. Montagne d’Ambre, Ankarana und Tsingy Rouge sind im Norden gelegene Nationalparks, die wir im Rahmen eines dreitägigen Ausflugs besuchten. Chamäleons, Lemuren (Makis) und spitze Kalk- zw. Sandsteinformationen sind die Hauptattraktionen. Die Bevölkerung ist sehr freundlich aber bitterarm. Wie und unter welchen Umständen die Leute wohnen ist erschütternd. Besonders in der Hauptstadt, in der wir auch 2 Halbtage verbrachten, war das ganz offensichtlich.
Zurück in Wien erinnern wir uns gerne an die Momente, an denen man glaubte, die Zeit sei vor 20 Jahren stehen geblieben: Im Flugzeug wurden die Passagiere mit der Hand abgezählt und auf Vollständigkeit überprüft. Die Musik im Taxi stammte von Tina Turner, Queen, … und Facebook war das Medium der Wahl, wenn es um Festikite ging.

































