„Gogle“ – oder Norberts erste kleine nächtliche Radtour in Serbien

Als mir in Südserbien um 04:00 in der Früh auf der Autobahn der Sprit ausging, war mein erster Gedanke: „…bitte nicht da und jetzt…“ Da diese Gegend auf der Karte mit „Natural Beauty“ bezeichnet ist, lässt sich eine spannende Suche nach Diesel erwarten…  Tinis trockenes Kommentar: „Wir haben eh die Räder mit“. Gesagt, getan. Ich mache mich auf dem Pannenstreifen auf den Weg zur nächsten  Autobahnüberführung. Ich erklimme die steile Rampe, wuchte das Fahrrad über den Zaun zur Landstraße und klettere hinterher. In der Ferne, es dämmert gerade, sind in beiden Richtungen ein paar Lichter zu sehen. Hoffend, dass es sich um kleine Dörfer mit einer Tankstelle handelt, breche ich, kein Wort Serbokroatisch sprechend, in eine Richtung auf. Ich begegne Menschen, die schon auf dem Weg zur Arbeit sind. Eine Frau, Mitte 30, zückt nach meiner Frage nach Treibstoff, war es Englisch oder Deutsch, ich erinnere mich nicht, ihr Handy und sagt: „Wait, gogle“. Sie hält es mir mit einer aktivierten Translate App vor die Nase. Ich bin zunächst etwas perplex, spreche aber dann in ihr Handy. Sie tippt auf dem Display herum und macht sich mit dem Wort „come“ auf den weiteren Weg zu ihrer Arbeit. Ich folge ihr. Nach einer von mir gefühlten Ewigkeit hält sie mir wieder das Handy vor die Nase, diesmal soll ich den Text auf dem Display lesen. Da das kyrillische Alphabet für mich unentzifferbar ist, gebe ich mit Händen und Füßen zu verstehen, dass mir leider nicht geholfen ist. Es folgt ein: „wait, come“, und wir wandern weiter. Nach einigen Momenten übersetzt mir „Gogle“ auch noch das kyrillische ins lateinische Alphabet: Auf Englisch ist dort die Wegbeschreibung bis zur nächsten Tankstelle im nächsten Ort zu lesen. Überschwänglich dankend mache ich mich auf den Weg und stehe ca. 10 Minuten später, inzwischen ist es 05:00 Uhr, vor einer geschlossenen Tankstelle. Ich glaube entziffern zu können, dass sie um 06:00 aufsperrt und nur einen Ruhetag hat – hoffentlich nicht heute Samstag! Der Rest ist schnell erzählt: Pünktlich um 06:00 bekomme ich meinen Diesel in zwei Fünf-Liter-Flaschen gefüllt. Ich fahre zurück auf die Autobahn, wir füllen den Diesel in den Tank. Nach kurzen Startschwierigkeiten springt unser Bus an und es kann weiter gehen. Vielen Dank an die hilfsbereite Frau, deren kreative und schnelle Lösungsfindung uns viel Zeit gespart hat… und natürlich an „Gogle“ alias „Google“.