Norwegen

Viel Wasser, Fjorde, Granitfelsen, das erwarten wir uns von Norwegen. Die Freiheit, mit unserem Bus einfach stehen zu bleiben, die langen Abende in der nur langsam oder nicht untergehenden Sonne zu genießen – so wollen wir diesen Sommer erleben. Hauptziel ist Setestal, ein Klettergebiet, abseits gelegen, wo noch immer sehr viele neue Klettertouren in bestem Granit entstehen.

Als wir die Grenze zu Norwegen passieren, ist noch immer keine Wetterbesserung in Sicht. Wir setzen mit der Fähre nach Kristiansund über und fahren viele Sehenswürdigkeiten, die empfohlen werden, und auf die wir schon vor unserer Reise aufmerksam gemacht wurden, ab. Das Wetter bleibt aber bescheiden bis schlecht. Immer wieder schielen wir in den Norden, auf die Lofoten und weiter auf die Vesterålen und Senja, wo der Wetterbericht schon seit längerer Zeit Sonne meldet.

Das für uns wichtigste Sportgerät am Beginn der Reise in unserem vollbepackten Bus, der bei dieser Skandinavienreise ja auch ein gemütliches Wohnzimmer bieten soll, ist ein aufblasbares Kajak, das wir kurz vorher noch besorgt haben. Die Midbrødøya Insel, der Eidfjord und später noch andere tief türkis leuchtende Gewässer werden teilweise trotz Regens damit befahren – und das bleibt neben einer Kitesession am Strand von  Kviljo in den ersten zwei Wochen die einzige sportliche Aktivität.

Unseren ersten regenfreien Tag erleben wir dann in Europas regenreichsten Stadt, in Bergen. Darauf stoßen wir am Hafen mit zwei kleinen Bieren um 24 Euro an, das ist es uns wert. Wir nutzen das schöne Wetter, um erstmals im norwegischen Granit, in schönen, am Wasser gelegenen, Klettergärten, zu klettern.

Die Wettervorhersage für Süd- und Zentralnorwegen bessert sich nicht und wir fassen den Beschluss, in den Norden aufzubrechen. Bei glühend rotem Himmel überqueren wir den Polarkreis und sind in der Früh im Ort Å auf den Lofoten. Es erwarten uns in den nächsten Tagen tiefblauer Himmel, weißer Sandstrand, kaltes und glasklares Wasser, das in vielen Grüntönen schimmert. Wir fahren mit unserem Kajak, besteigen 500m hohe Berge, die teilweise fast senkrecht aus dem Meer in den Himmel aufragen, klettern unter großer Angst EINE Tradroute und einige tolle Sportkletterrouten. Die Landschaft ist wunderschön. Einziger Wermutstropfen sind viele andere Wohnmobiltouristen, die Einzigartigkeit der Landschaft hat sich herumgesprochen.

Bevor wir den Heimweg antreten, wollen wir noch einen Abstecher auf die Insel Senja machen. Somit ist die Inselgruppe der Vesterålen unserer nächstes Ziel, genauer Andøya. Hier sind etwas weniger Touristen, die Landschaft ist aber ebenso großartig und mit dem 408 m hohen Måtind gibt es einen Berg, der keine spektakulärere Aussicht bieten könnte. Schroffe Felsen mit grünen Steilhängen, die in weiße Sandstrände übergehen, bilden einen Kontrast mit dem türkisblauen Meer.

Hauptattraktion der Region ist der Bleik Canyon, eine Unterwasserschlucht, die ca. 40 km lang, 3000 m tief ist und in die das Meer nahe des Ufers plötzlich abfällt. Diese Topografie bedingt einen enormen Nahrungsreichtum, der viele Walarten anlockt. Auf einer Walsafari haben wir tatsächlich die Möglichkeit, Orcas für ca. 30 Minuten in einem Boot zu begleiten. Eindrucksvoll!

Nach 5 Tagen auf Andøya haben wir noch immer nicht den nördlichsten Punkt unserer Reise erreicht, der soll Senja sein. Eine im Norden wilde Insel, im Süden sanfter, deutlich weniger Touristen. Hier erleben wir mit dem Ørnfjord-Klettergarten den am liebevollsten gestalteten, den wir je erlebt haben. Es gibt Bänke, einen Tisch, Feuerholz, eine Axt und Säge um Holz zu machen und an den Einstiegen der Routen sind Länge, Anzahl der Zwischensicherungen und Schwierigkeit angeschrieben. 

Nachdem wir mit dem Breidtinden den höchsten (1001 m) Berg Senjas über ungesicherte Wege, die bei uns Klettersteige mit der Schwierigkeit A/B wären und wo ein Fehltritt fatal enden würde, bestiegen haben, brechen wir endgültig Richtung Wien auf. Das Navi sagt: 1 Tag 11 Stunden für den schnellsten Weg über Schweden. Für diesen entscheiden wir uns dann und nehmen dabei noch Kletterspots, Stockholm, Kopenhagen und die Surferinsel Fehmarn mit. Als wir zu Hause ankommen, ist der Kilometerstand unseres Busses um ca. 8700 km angewachsen.